Social Media im radikalen Wandel – Hardware trifft KI
Der Auftakt durch Felix Beilharz unter dem Titel „Was war. Was kommt. Was wirkt“ setzte direkt den Ton für den Tag. Die Kernbotschaft war unmissverständlich: Wir erleben nicht nur ein Update, sondern eine Verschmelzung von Social Media mit KI und neuer Hardware.
Die mobile Nutzung dominiert weiterhin alles – „Mobile First“ ist kein Buzzword mehr, sondern die absolute Basis. Doch spannend wird es bei der Integration von Künstlicher Intelligenz: Plattformen wie Meta entwickeln sich immer mehr zu KI-Pionieren. Das zeigt sich nicht nur im Hintergrund, sondern in konkreten Features für User und Advertiser:
- Virtual Try-On: Produkte können direkt in der Ad anprobiert werden.
- Business AI: Der Chatbot in der Ad, der per Sprachmodus (!) direkt mit dem Kunden kommuniziert.
- Creation & Commerce: Ab 2026 soll die KI-gestützte Content-Creation direkt in den Plattformen zum Standard werden.
Beilharz warf auch einen Blick auf die Hardware: Während Apples Vision Pro noch kämpft, arbeiten Meta und andere an Smart Glasses, die Social Media wortwörtlich direkt vor unsere Augen bringen. Es gibt aber auch Schattenseiten: Plattformen wie Pinterest warnen bereits vor „AI Slop“ – einer Flut an minderwertigem, KI-generiertem Content.
Leadmanagement: Warum der Heiratsantrag beim ersten Date scheitert
Dieser Vortrag brannte sich durch eine hervorragende Analogie in unser Gedächtnis ein: Viele B2B-Unternehmen verhalten sich im Marketing wie jemand, der beim ersten Date sofort einen Heiratsantrag macht. Wer einen Lead sofort aggressiv zum Kauf drängen will, verliert ihn.
Die zentralen Learnings für bessere Prozesse:
- Marketing als Wingman: Wir müssen verstehen, dass Marketing nicht der Verkäufer ist. Marketing ist der „Wingman“, der die Situation perfekt vorbereitet, damit der Sales-Profi den Abschluss machen kann.
- Mut zur Lücke im CRM: Ein voller CRM-Datensatz bringt nichts, wenn er veraltet ist. „Datenmüll löschen“ war ein klarer Appell. Lieber weniger, dafür qualitativ hochwertige Daten.
- Der lange Atem: Es braucht im Schnitt ca. 8 Touchpoints, bis ein Einkäufer überhaupt bereit für ein Gespräch ist.
- Prozess vor Tool: Bevor man blind optimiert, muss der Ist-Zustand analysiert werden. Leadmanagement ist am Ende ein Menschenthema („Kultur schlägt Toolset“).
Content & Storytelling: „Unhinged“ gewinnt gegen Hochglanz
In Sessions wie „Roast My Content“ wurde deutlich: Die Ära der perfekt glattgebügelten Corporate-Kommunikation neigt sich dem Ende zu. Was zählt, ist Relevanz durch Mut.
- Social 3.0 & Unhinged Content: Marken, die sich trauen, etwas „verrückter“ und roher zu sein, gewinnen. Das kann eine humorvolle Fake-Doku sein oder das Aufgreifen von Internet-Phänomenen, bevor sie Mainstream sind.
- Case-Study Sacher: Ein beeindruckendes Beispiel zeigte, wie eine Creatorin eine einfache College-Jacke gegen eine Sacher-Torte tauschte und damit auf TikTok viral ging. Das Learning: Branding und Storytelling schlagen reine Performance-Metriken.
- Der Van-Gogh-Effekt: Ein wunderschönes historisches Beispiel verdeutlichte die Macht von Content Marketing. Van Gogh starb arm. Erst seine Schwägerin, die die Briefe und Geschichten zu den Bildern kuratierte und veröffentlichte, lud die Kunstwerke mit Bedeutung auf. Sie machte aus Kunst Geschichte – und erst diese Geschichte schuf den Wert.
E-Mail-Marketing: Totgesagte leben (und konvertieren) länger
E-Mail-Marketing ist nach wie vor einer der stärksten Kanäle, wenn man es richtig macht. Der Fokus lag hier auf technischer Exzellenz und Psychologie.
- Text vs. Design: Überraschenderweise funktionieren reine Text-Mails oft besser als durchdesignte Newsletter. Sie wirken persönlicher, authentischer und heben sich von der Werbeflut ab.
- Testen ist Pflicht: A/B-Tests sind kein „Vielleicht“, sondern essenziell. Getestet werden sollten Betreffzeilen (Name drin?), Dringlichkeit und CTAs.
- Zustellbarkeit aktiv managen: Tools wie mail-tester.com helfen dabei, nicht im Spam zu landen. Ein oft vergessener Punkt: Wie sieht die Mail im Darkmode oder im (oft zickigen) Outlook aus? Wer das nicht prüft, verliert Leser:innen.
LinkedIn Ads: Geduld und neue Formate
Bevor wir tief in die LinkedIn-Strategien eintauchten, rettete uns eine kleine, aktive Auflockerungsübung im Saal aus dem Mittagstief – eine willkommene Energie-Spritze für den Nachmittag! Hellwach nahmen wir dann folgende Insights mit:
LinkedIn tickt anders als Meta. Der Algorithmus ist langsamer und braucht etwa 7 Tage, um Kampagnen wirklich zu optimieren. Geduld ist hier also Geld wert.
- Targeting-Hack: Das Targeting auf „Kenntnisse“ ist oft deutlich günstiger als das Targeting auf spezifische Jobtitel, erreicht aber dieselben Experten.
- Weg vom Whitepaper: Der Begriff „Whitepaper“ ist ausgereizt. User wollen heute „Frameworks“, „Checklisten“ oder „Guides“.
- Document Ads: Wer PDFs bewirbt, muss wissen: Das Inhaltsverzeichnis ist oft wichtiger als das Titelblatt, da es dem User zeigt, wofür er seine Daten hergibt. Und ein kleines Detail am Rande: Hashtags haben in Ads nichts verloren.
Google Ads & Analytics: Die Suche nach der Daten-Wahrheit
In diesem Slot ging es tief in die Zahlen. Ein häufiges Problem: Die Zahlen in Google Ads sehen rosig aus, in GA4 hingegen ernüchternd. Das ist kein Fehler, sondern ein Resultat unterschiedlicher Attributionsmodelle.
Um hier nicht blind zu fliegen, führt kein Weg mehr an sauberem Tracking vorbei:
- Server-Side-Tracking & Enhanced Conversions: Ohne diese technischen Setups verliert man Conversions und optimiert auf falsche Signale.
- BigQuery: Für fortgeschrittene Analysen ist BigQuery kein Luxus mehr, sondern notwendig, um die Hoheit über die eigenen Rohdaten zu behalten und Bot-Traffic sauber herauszufiltern.
Übrigens sorgte während dieses Vortrags ein kleines Detail für große Unruhe: Die korrekte Aussprache von Microsoft Azure. Heißt es nun „Äschur“, „Ah-zur“ oder ganz anders? Es entbrannte eine spontane Debatte im Saal – wir haben uns an dieser Stelle diplomatisch enthalten und uns lieber wieder auf die SQL-Queries konzentriert. 🤓
Reddit Unlocked: Community statt Broadcast
Reddit wird als Marketing-Kanal in DACH oft unterschätzt, wächst aber rasant. Das Spannende: Viele Nutzer:innen dort sind weder auf LinkedIn noch auf Meta aktiv (ca. 68 % Exklusivität!).
Wer hier werben will, muss die Regeln der „Subreddits“ (Nischen-Communitys) verstehen. Klassischer Marketing-Sprech wird hier sofort abgestraft („Downvotes“). Erfolgreich ist, wer die Sprache der Community spricht – wer also Insider (wie lokale Memes oder spezifische Fachbegriffe) versteht und authentisch mitredet, statt nur zu senden.
KI – Boost oder Blase?
Zum Abschluss noch ein nüchterner Blick auf den Hype. Laut dem Gartner Hype Cycle befindet sich KI aktuell in der „Tal-Phase“ – die überzogenen Erwartungen normalisieren sich.
Interessant ist die Strategie der Tech-Giganten:
- Apple als Second Mover: Apple wartet ab und wird KI vermutlich sehr nutzerzentriert über Hardware (AirPods, Brillen) ausrollen.
- Google: Behauptet sich weiterhin stark im Suchmarkt.
- GEO (Generative Engine Optimization): Die Optimierung für KI-Antworten ist das nächste große Ding, auch wenn aktuelle Taktiken teils noch an Spam erinnern. Hier werden sich die Modelle und die Gegenmaßnahmen der Suchmaschinen in den nächsten Monaten rasant weiterentwickeln.
Fazit: Was wir für seoCon (und euch) mitnehmen
Wir fahren mit vollen Notizbüchern und frischen Ideen zurück. Unsere fünf Kern-Learnings für die kommenden Projekte:
- KI wird unsichtbarer Helfer: Sie wird fester Bestandteil von Ads & Content-Erstellung, aber der Mensch steuert die Strategie.
- Leadmanagement braucht Empathie: Technologie ist wichtig, aber das Verständnis für den Kunden (und den richtigen Zeitpunkt) ist wichtiger.
- Mut zur Lücke bei Social Media: Es darf wieder spielerischer, roher und humorvoller werden.
- Daten-Disziplin: Ohne sauberes Tracking (BigQuery/GA4) ist Performance-Marketing ein Blindflug.
- Community first: Ob auf Reddit oder LinkedIn – authentischer Austausch schlägt Sender-Empfänger-Marketing.
Wir freuen uns darauf, genau diese Impulse in unseren Kundenprojekten umzusetzen – für noch bessere Resultate bei SEO, SEA, Social Ads & Analytics.
Die OMX lohnt sich – Salzburg, wir sehen uns 2026 wieder! 🚀
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