Als Online Marketing Agentur aus Linz waren wir vor Ort und haben für Sie die wichtigsten Kernbotschaften herausgefiltert. Sie zeigen, wie sich Shops, Sichtbarkeit, Werbung und Arbeitsweise verändern müssen, um im KI-Zeitalter relevant zu bleiben.
Zwei Tage, vier Bühnen und über 30 Vorträge und Masterclasses – von KI-Recht über Social Commerce bis Agentic AI: Die Digital Days 2026 im OÖN FORUM Linz waren prall gefüllt. Mit dabei waren unter anderem Robert Gmeiner (KMU Akademie), das Team von get on top, Stefan Starke und Matthias Holzinger (Cloudflight), Philipp Baldauf (Ahoi Kapptn!) sowie Marion Karl (Egger Getränke). Für uns als Team war es ein inspirierender Pflichttermin – und die Bestätigung, dass sich im Online Marketing gerade grundlegend etwas verschiebt.
1. Agentic Commerce: Der Produktfeed wird zur Eintrittskarte
Die wohl größte Verschiebung betrifft den E-Commerce. Rund 56 % nutzen KI bereits zum Shoppen, und jeder Dritte ändert seine Kaufentscheidung, wenn die KI etwas anderes empfiehlt. Im Agentic Commerce übernimmt ein KI-Agent die Produktsuche, den Preisvergleich und oft auch den Bezahlvorgang – die klassische Shop-Optimierung läuft damit zunehmend ins Leere.
Für Händler heißt das: Nicht mehr die Landingpage entscheidet, sondern ob das eigene Produkt vom KI-Agenten überhaupt gefunden und empfohlen wird. Der Agent agiert wie ein externer Verkäufer, der alle Produktinfos braucht. Jede Frage der User, die der Produktfeed nicht beantwortet, ist ein Grund für die KI, ein anderes Produkt zu empfehlen.
So machen Sie Ihren Shop fit für Agentic Commerce:
- Produktfeed vervollständigen: Im Google Merchant Center zählen nicht nur die Pflichtfelder (id, Titel, Preis, Verfügbarkeit), sondern auch Detailangaben wie Produkt-Highlights, Kategorien, Zustand und Lieferzeit. Je mehr Informationen vorhanden sind, desto besser kann die KI die Fragen der User beantworten.
- Shop maschinenlesbar gestalten: DDie Technik muss sauber sein – passt die Performance nicht, wirkt sich das negativ auf die KI-Empfehlung aus.
- Reputation aufbauen: Bewertungen und ein gepflegtes Trustpilot-Profil tragen dazu bei, dass die Produkte eher empfohlen werden.
- Vorbereitung: Auf Agentic Payment vorbereiten und früh mit Kampagnen in den KI-Kanälen testen.
Quick Win: Testen Sie selbst – fragen Sie ChatGPT, den KI-Modus der Google-Suche und Copilot nach Ihrem Produkt („Ich suche [Produkt], empfehle mir einen Onlineshop.“) und prüfen Sie, ob und wie Ihr Shop auftaucht.
2. Neue Werbekanäle: ChatGPT Ads, Reddit & der Platz in der Antwort
Während klassisches SEO dafür sorgt, dass Ihre Website in der Google-Trefferliste erscheint, sorgt GEO dafür, dass Ihr Unternehmen direkt in der KI-Antwort genannt wird. Mehr dazu auf unserer Seite zu Generative Engine Optimization (GEO).
Mit der KI-Suche entstehen neue Werbeflächen. ChatGPT Ads sind seit August 2026 funktionstüchtig und erscheinen klar gekennzeichnet unterhalb der KI-Antwort (also der Antwort, die ChatGPT auf eine Frage ausgibt) – die KI-Antwort selbst bleibt organisch und wird durch Werbung nicht beeinflusst. Gebraucht werden keine Keywords mehr, sondern Kontexthinweise: Man beschreibt in ganzen Sätzen die Gesprächssituation, in der die Anzeige erscheinen soll. Statt auf das Keyword „Wärmepumpe Kosten“ zu bieten, hinterlegt man z. B.: „Hausbesitzer:in mit älterer Ölheizung überlegt den Umstieg auf eine Wärmepumpe und fragt nach Kosten und Förderung.“ Die KI entscheidet dann, ob die Anzeige in diese Gesprächssituation passt.
Die ersten Erfahrungswerte zeigen aktuell noch ein nüchternes Bild: Ein Klick kostet ungefähr so viel wie bei Google – man zahlt für den neuen Kanal also keinen Aufpreis. Die Klickrate liegt bei 1–2 %. Was aktuell noch fehlt, sind die tatsächlichen Abschlüsse: Es wird geklickt, aber selten gekauft oder angefragt – die Kosten pro Verkauf bzw. Lead sind dadurch noch hoch. Das Fazit eines Vortragenden: ChatGPT Ads sind „kein Gamechanger über Nacht, aber ein Kanal, den fast jeder kennenlernen sollte“ – noch nicht der Stürmer, sondern der Spielmacher.
Entscheidend ist die Unterscheidung: Werbung kauft den Platz unter der KI-Antwort – GEO bringt Sie in die KI-Antwort selbst. Wer in den KI-Antworten selbst genannt werden will, kommt an Generative Engine Optimization nicht vorbei.
Zwei weitere Kanäle rückten in den Fokus:
- Reddit ist als Werbe- und Sichtbarkeitsplattform unterschätzt: Inhalte sind doppelt sichtbar – in der Google-Suche und in KI-Antworten. Die Devise lautet „Think like a Redditor, not like an advertiser“: Mehrwert und Community-Ton schlagen klassische Werbung.
- Microsoft Ads spielen Produktanzeigen in Copilot und Bing aus und lassen sich mit wenigen Klicks aus Google Ads importieren.
Für welche Geschäftsmodelle sich der frühe Einstieg lohnt – und wann sauberes Tracking zur Grundvoraussetzung wird – hängt stark von Warenkorbgröße, Auftragswert und Entscheidungsdauer ab. Der Leitsatz: testen, aber nie blind. Mindestens sechs Wochen Laufzeit, Erfolg vorab über klare KPIs definieren, dann mit Zahlen entscheiden.
3. Sichtbarkeit & Daten: Ihre Website ist das Wikipedia Ihrer Firma
Die KI-Suche verändert die Spielregeln der Auffindbarkeit grundlegend. Aus „zehn blauen Links“ wird eine einzige Antwort mit wenigen genannten Namen. Für Unternehmen verschiebt sich die Leitfrage von „Wie ranke ich?“ zu „Was weiß die KI über mich – und aus welchen Quellen?“.
Dass dieser Wandel real ist, zeigen die Zahlen aus der Medienbranche: Der organische Such-Traffic bricht spürbar ein, die Klickrate auf Position 1 sinkt deutlich, sobald eine KI-Übersicht erscheint, und ein großer Teil der Suchen endet ganz ohne Klick. KI-Bots crawlen viel, verweisen aber bislang kaum zurück.
Was Sie daraus mitnehmen sollten:
- Website als Wissensquelle aufbauen: Wüsste die KI nur, was auf Ihrer Website steht – würde das reichen? Jede Leistung eigens erklären, USPs ausformulieren und begründen, klar benennen, für wen Sie arbeiten (und für wen nicht), dazu Firmenfakten und ehrliche FAQ. Sachlicher Stil schlägt Werbesprache.
- Haltung zeigen: „Glatte“, austauschbare Aussagen lässt die KI weg. Eine klare Position mit Ecken und Kanten bleibt hängen.
- Off-site präsent sein: Es werden auch Quellen außerhalb der Website herangezogen – YouTube, Reddit, LinkedIn für B2B.
- Daten als Fundament: KI entfaltet Nutzen nur mit Daten. Wer eigene, einzigartige Inhalte erzeugt (regionale Themen, O-Töne, Fachwissen), liefert der KI etwas, das noch nirgends steht – statt nur zu verwerten, was ohnehin im Netz ist.
Ein Aspekt, der gerade im beruflichen Einsatz zählt: digitale Souveränität. Es lohnt sich, nicht von einem einzigen KI-Modell abhängig zu sein, sondern bewusst Alternativen offenzuhalten und die Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten.
4. Vom Pilot zum Nutzen: Agenten brauchen Plan und Struktur
KI-Agenten können heute weit mehr als Fragen beantworten – sie übernehmen wiederkehrende Aufgaben. Aber: Ein Agent ist nur so gut wie sein Plan und seine „Einschulung“. Man gibt der KI Werkzeuge in die Hand, setzt Regeln und lässt sie dann im gesetzten Rahmen arbeiten. Arbeitswissen gehört dabei in wiederverwendbare Skills und menschliche Freigaben sollten fix eingeplant werden
Das Werkzeug dahinter ist oft eine Automatisierung mit n8n als Verbindungsschicht zwischen Anwendungen, Daten und KI. Dabei gilt: Es sollte gut überlegt werden mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird. KI kann auch ein Overload sein, denn manchmal reicht ein einfacher Workflow.
Mehrere Vortragende warnten vor demselben Muster – dem schnellen Prototyp, der nie in Betrieb geht:
- Tempo ohne Struktur ist kein Fortschritt: Vibe Coding liefert in kurzer Zeit beeindruckende Prototypen, doch viele bleiben Demo. Der eigentliche Aufwand liegt zwischen Prototyp und Betrieb.
- Ownership statt Zufall: Jede KI-Lösung braucht einen Verantwortlichen – getrennt von der Frage, wer sie erfunden hat.
- Kontrolle bleibt Pflicht: Gerade wenn eine Lösung „einfach läuft“, wird die Kontrolle vernachlässigt – unkontrollierter Einsatz ist eine offene Haftungsfrage. Der Mensch bleibt der „Human in the Loop“.
- Ein Testlauf ist noch kein echter Anwendungsfall: Messbarer Nutzen entsteht erst, wenn es eine verantwortliche Person gibt (Business Owner), wenn der Ausgangswert vor dem KI-Einsatz bekannt ist (Baseline) und ein konkretes Ziel definiert wurde – und wenn die Lösung in die bestehenden Abläufe eingebunden ist. Die Engpässe liegen dabei selten an der KI selbst, sondern am Drumherum: am messbaren Mehrwert, an klarer Verantwortung, an den Prozessen, an der tatsächlichen Nutzung durch die Mitarbeitenden (Adoption) und an der Erfolgsmessung.
Der wichtigste Satz dazu: Nicht mit „Was kann KI?“ starten, sondern mit „Welcher Prozess soll besser werden?“. Und: Tools kommen und gehen – was bleibt, ist die organisationale Fähigkeit, Technologie wirksam zu machen.
5. Vertrauen wird zur Infrastruktur
Wenn KI Produkte, Texte und Bilder in einem Wochenende erzeugt und Google immer weniger Menschen auf Websites schickt, brechen Produkt, Preis und Auffindbarkeit als Unterscheidungsmerkmale weg. Was bleibt, ist Vertrauen – und das entsteht auf mehreren Ebenen.
- Marke & Community: Menschen kaufen Zugehörigkeit und Emotion. Eine starke Marke ist die letzte echte Differenzierung im KI-Zeitalter – getragen von Community, Content und einer klaren Haltung.
- Authentizität: Starke Markenkommunikation braucht kein großes Sponsoring, sondern einen glaubwürdigen Fit. Erst die Geschichte, dann die Person – und ein Testimonial, das wirklich zur Marke passt. Oder kurz: Wenn der Fit stimmt, kann auch ein kleineres Budget groß aufspielen.
- Sicherheit & Identität: Rund zwei von drei Menschen begegnen Onlineshops mit Betrugsverdacht. Die neue Logik verlegt die Prüfung in den Hintergrund und fragt nur im Zweifel nach – das senkt Abbrüche und Checkout-Zeit deutlich. Konkret heißt das: Statt bei jedem Kauf ein Passwort abzufragen, erkennt das System die Kundin oder den Kunden im Hintergrund und hakt nur dann nach, wenn etwas verdächtig wirkt. So wird aus einer lästigen Sicherheitsabfrage ein unsichtbarer, laufender Schutz – ganz nach dem Motto: „Vertrauen ist keine Abfrage. Vertrauen ist eine Infrastruktur.“
- Rechtssicherheit: Im Webshop entscheiden saubere Basics über Erfolg oder Abmahnung: Impressum in maximal zwei Klicks erreichbar, ein zahlungspflichtig beschrifteter Bestellbutton statt bloßem „Jetzt kaufen“, ein klar zugänglicher Widerruf und der Abgleich mit der Robinsonliste vor dem Newsletter-Versand.
Fazit
Unser Fazit zu den Digital Days 2026: zwei intensive Tage, viele Impulse und ein klarer Auftrag für die Praxis.
Die Digital Days 2026 geben eine klare Richtung vor: Die Suche und der Kauf verlagern sich in die KI, und der Erfolg entsteht durch die Kombination aus Technik, Strategie und menschlichem Mehrwert. Saubere Daten und Feeds sind die Grundlage und neue Kanäle sollten getestet werden – aber messbar und mit Plan.
Sie möchten Ihren Shop, Ihre Sichtbarkeit oder Ihre Automatisierungen fit für das KI-Zeitalter machen? Als Online Marketing Agentur aus Linz und Wien begleiten wir Sie von GEO über Produktfeeds bis zur KI-gestützten Prozessautomatisierung. Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstanalyse.
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